Frauen in Führungspositionen
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder landete im Frühjahr 2011 einen echten Coup: Sie rang der deutschen Wirtschaft die Selbstverpflichtung zur Selbstverpflichtung zur Selbstverpflichtung zur … Wie war das noch gleich? Sie sollten sich selbst verpflichten, Frauen in Führungspositionen zu hieven? Die Dax-Konzerne? Ja, ist denn schon Fasching? – Egal, was sie da in Talkshows von sich gab: Kristina Schröder (Jahrgang 1977, soeben zum ersten Mal Mami geworden) war stolz auf sich und sagte das auch. Man stellt sich vor, wie grauhaarige Männer in Hinterstuben beim Whiskey feixten: “Das Mädelchen”.
Es ginge von selbst
Glaubt man den Umfragen, hätte Frau Schröder diese unkommentierte Selbstdemontage, die gleichwohl niemals vergessen werden wird, nicht nötig gehabt. Denn mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer würde ohne mit der Wimper zu zucken eine Frau als Chef akzeptieren, wieso auch nicht? Der erste Chef des Lebens ist schließlich die eigene Mutter, das Matriarchat ein normaler Bestandteil der menschlichen Kulturgeschichte. Nationalsozialisten wie Kommunisten legten besonderen Wert auf die Rolle der Frau, schwärmerische Ideen der 1970er Jahre heroisierten weibliche Vorbildfunktionen, und der moderne Mann, wenn er nicht völlig weltfremd ist, zieht insgeheim den Hut, wenn er über das Wunder der Geburt nachdenkt. Was also soll dabei sein, wenn Frauen eine Firma führen? Sie tun es ja da und dort, und zwar mit größtem Erfolg. Die Rolle der Frau als Führungspersönlichkeit ist gesellschaftlich längst anerkannt. Dass Frauen seltener in Führungspositionen zu finden sind, hat banale, praktische Gründe.
Noch einmal das Wunder der Geburt
Kinder auf die Welt bringen und sie zu betreuen und erziehen kostet Zeit, und zwar diejenige Zeit des Lebens, in der Männer Karriere machen. Das Zeitfenster hierzu ist sehr klein. Zwischen etwa dem 20. bis 25. Lebensjahr wird studiert. Zwischen dem 26. bis 32. Lebensjahr lernt der junge Berufstätige die Firma oder Behörde kennen, in der er Karriere machen wird. Die Tage sind randvoll, das Pensum ist gigantisch, der Mensch ist aber auch fit wie ein Turnschuh.
Mit etwa 33 Jahren setzt er zum Sprung an, die Spannung steigt, und er weiß, dass es jetzt um alles oder nichts geht. Zwischen dem 35. bis 39. Lebensjahr werden die meisten Firmen gegründet, Positionen erklommen, auch Häuser gebaut, ein finanzielles Polster geschaffen, durchgearbeitet ohne Luft zu holen. Dann ist es geschafft – oder der Zug ist abgefahren. Das hat übrigens nicht so sehr mit der Physis zu tun, auch 40- und 55-Jährige sind gesund und hoch leistungsfähig. Sie haben aber eine andere Perspektive. Menschen wurden verloren, sie starben oder verschwanden. Dinge wurden nicht gesehen, die Zeit, die man mit seinen kleinen Kindern nicht verbracht hat, ist unwiderruflich dahin. Und was taten nun er oder sie in jenen Jahren? Er machte Karriere, sie brachte ein bis drei Kinder zur Welt. Hätte sie es nicht getan, würden wir hier nicht sitzen und große Reden schwingen.
Wie es gehen könnte
Mütter brauchen Zeit. Es müssen Gesetze her, damit sie Kinder bekommen und gleichzeitig Karriere machen können, denn Männer allein können weder Firmen noch eine Gesellschaft führen. Gesellschaften, die nur von Männern geführt werden, sind allzu oft in Kriege verwickelt. Rein männlich geführte Firmen expandieren aggressiv, dominieren auf ungesunde Weise die Märkte und gehen manchmal an ihrer Hybris zugrunde. Frauen sind viele dieser Dinge fremd, Müttern vor allem. Warum das so ist? – Sie wissen, wie schwer ein Leben geboren wird. Sie bewahren es eher.
Selbserverständlich ist es zu respektieren, wenn sich eine Frau gegen die Karriere und für die Familie entscheidet. Aber es müssen auch Wege gefunden werden, die Karriere und Familie verbinden und so Frauen neue Perspektiven aufzeigen.
