Extremsport: “Es geht uns zu gut”
Die Frage ist mindestens so spannend wie der Sport selbst, man vermisst eine philosophische Diskussion zur Thematik. Die beteiligten Coaches, Bergführer und Tauchlehrer, sprechen hinter vorgehaltener Hand: “Es geht uns zu gut”. Die Veranstalter der Events reiben sich die Hände, die Unfallversicherer übrigens auch. Und die Sportler selbst? Die sind einfach nicht aufzuhalten.
Sport bis zum Exzess
Die Verausgabung muss total sein, das Abenteuer gigantisch, die Lebensgefahr real. Erst dann heißt die Veranstaltung wirklich Extremsport. Sie joggen täglich 10 Kilometer vor dem Frühstück? Das hat mit Extremsport nichts zu tun, so etwas machen heute viele Buchhalter. Extremsportler besteigen den Himalaja und den K2, verknüpfen eben mal beim Ironman-Triathlon einen Marathon mit zusätzlichen 180 Km auf dem Rad und 3,8 km im Wasser, und sie versuchen, ohne Atemgeräte Dutzende Meter tief zu tauchen. Leute, die es als Beteiligte wissen müssen, bringen es klar auf den Punkt: Eine Existenzbedrohung gibt es seit 1945 in der westlichen Welt nicht mehr. Ein Kritiker der seither entstandenen Gesellschaft, der Altbundeskanzler Helmut Kohl, brachte es in den frühen 1990er Jahren auf den Punkt: “Vollkaskogesellschaft” hieß der verächtliche Begriff, mit dem er das risikoscheue Volk klassifizierte. Das wollten sich die Extremsportler wohl nicht länger nachsagen lassen.
Wird der Trend anhalten?
Möglicherweise handelt es sich um eine vorübergehende Mode, denn seit auch mitteleuropäische Länder wieder reale Kriege führen und seit es immer mehr tödliche Unfälle von Extremsportlern gibt, setzt – ganz sacht bisher – ein Umdenken ein. Versicherer beginnen, entsprechende Risiken aus ihren Policen auszuschließen, Familienmitglieder beginnen zu mahnen, dass man Lebensverantwortung ganz anders wahrnehmen kann und sollte. Inzwischen kritisieren auch (alternde) Stars der Szene wie Reinhold Messner das Extrem-Sporting. Das wiederum wird ihnen nicht abgekauft. Schließlich, so kritisiert der jüngere Nachwuchs zurück, hätten sie den Boom durch ihr spektakuläres Vorbild erst ausgelöst.

